Präambel
Heute schieben Mama, Papa, Oma oder Opa ein vierrädriges, buntes Plastikgefährt an einer eineinhalbmetrigen Stange mit ihrem zwar selbst gehen könnenden - wohl aber nicht gehen wollenden - Nachwuchs am Gehsteig vor sich her. Am Ende der Stange nicht nur Mamas, Papas, Omas oder Opas Hand, sondern auch die Leine, die am Hals eines mehr oder weniger großen, bellenden Vierbeiners endet. Die zweite Hand umschließt ein Smartphone, welches - leicht gekippt - vor dem Mund von Mama, Papa, Oma oder Opa darauf wartet mehr oder weniger sinnhafte Schallwellen aufzunehmen um diese - bestenfalls nur einige Meter weit, gegebenenfalls aber auch blitzschnell um den halben Erdball - aus dem Lautsprecher des weiblichen oder männlichen Gesprächspartners tönen zu lassen.
Direktor Ludwig Paulik, der Verfasser des Pottendorfer Heimatliedes, hätte heute wahrscheinlich seine liebe Not, aus oben beschriebener Momentaufnahme einen Refrain auf Papier zu bringen. Er schrieb: „Dort ging ich an der Mutter Hand, dort liegt mein teures Heimatland.” Damit war alles beschrieben, alles gesagt. Tatsächlich war es so, dass mein Schwesterherz und ich an Mamas Hand durch Pottendorf, Landegg, Siegersdorf und Wampersdorf - damals gab´s noch keine Großgemeinde - gingen und ihren Erzählungen lauschten. An den Sonntagen, war „Groß Familientag“, da waren diverse Tanten, Onkeln, Cousins und mein Pepi-Opa mit seiner Milla-Oma dabei. Was die alle zu erzählen wussten über die Häuser, die Leute und wie es früher so war, als sie noch Kinder waren. Mir wurde von meinen Liebsten eine Verbundenheit zu meinem Heimatort vermittelt. So konnte ich für mich erfahren, was „meinen” Ort ausmacht, auszeichnet und von anderen unterscheidet. Die Identität ist nichts Vorgegebenes oder etwa die Summe von Gebäuden, Straßen, Parks und kommunalen Einrichtungen, sondern einzig und allein das Resultat der Schaffenskraft von Menschen, deren Kreativität und deren Umgang miteinander.
Ich lade dich ein, mit mir einen Blick auf unsere Großgemeinde - zumindest auf Teile davon - zu werfen, Einblick in die Blütezeit als ehemaligen Handels-, Gewerbe- und Industriegemeinde zu nehmen und die Entwicklung bis heute zu beobachten. Schlendern wir - imaginär - Hand in Hand durch Pottendorf, Landegg, Wampersdorf und Siegersdorf, staunen wir über das, was vielleicht in Vergessenheit geraten ist und verfolgen gemeinsam die Entwicklung unseres Ortes. Vielleicht entdeckst du dabei - für dich ganz persönlich - Ansatzpunkte, die dich in besonderer Weise mit unserem Heimatort verbinden.
Wenn du soweit bist, lass uns einfach loslegen. Zu Beginn besuchen wir eines der ältesten Unternehmen Pottendorfs. In meiner direkten Nachbarschaft, Hauptstraße 22, steht - und das schon seit vielen, vielen Jahren - das ehemalige Brauhaus und die spätere Malzfabrik.
Beschreibung Band 1
Epilog Band1
Stand: 9/2026